CythiSilasemar

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Cythi'Silasemar

Einst Mitglied von Thanids Krieger. Die Zeit der ehrenhaften Zwergen schwand, zurück blieben Ruinen, welche wieder aufgebaut wurden. Am Rande der Stadt, fernab der neuen Mauern, steht noch Cythis Heim - eine alte Eiche, tief verwurzelt.

Die Kindheit

"Cythi! Wo hast du dich wieder herumgetrieben?!"

Schuldbewusst folgten Cythis Augen dem Blick, der sie immer wieder und wieder musterte. Sich etwas Dreck aus dem Gesicht wischend rechtfertigte sie sich leise: "Ghaehre behauptete, dass auch in einer Schlammpfütze die Natur sei und sie böse auf mich wäre, wenn ich ihr nicht genug huldigen würde."

Die alte Elfe war außer sich. "Und das hast du ihm geglaubt?" Ungläubig blickten die strengen Augen in die ihrigen. Cythi wirkte immer kleinlauter. "Ist denn Schlamm nicht auch Erde mit dem guten Wasser?" Die alte Elfe wusste kaum, was sie sagen sollte. Verwirrt stammelte sie: "Natürlich ist… aber das bedeutet noch lange nicht, dass du dich wie ein Wildschwein darin suhlen sollst, Kind." Cythi schwieg und blickte noch schuldbewusster an sich hinab.

Die Augen der alten Elfe wurden nachsichtiger. Im tadelnden Tonfall meinte sie: "Ich wünschte, unsere Ahnen hätten dich mit mehr Intelligenz als Leichtgläubigkeit ausgestattet. Seitdem du laufen kannst, bringst du dich jeden Tag in Schwierigkeiten. Und nun lass uns zum Teich gehen und dich waschen, bevor sie dich mit einem Ork verwechseln und aus der Siedlung vertreiben."


Ein paar Tage später

"Llinn’te, wir müssen über deine Tochter reden."

"Über Cythi? Was hat sie angestellt? Ist sie nicht folgsam?"

"Das ist sie. Sie macht große Fortschritte in den Tänzen und Ritualen."

"Was ist dann das Problem?"

"Sie stellt für ihr Alter unangenehme Fragen. Sie ist verbundener mit der Natur als mit anderen Elfen. Es ist, als wäre sie kurz vor der Wanderlust, um Neues zu erfahren. Doch ist sie viel zu jung."

"Ich sehe nichts Falsches daran, der Natur nahe zu stehen. Vor allem nicht bei dem Weg einer zukünftigen Priesterin."

"Wir befürchten, dass sie zu fanatisch werden könnte."


Eine kurze Pause durchschnitt die Luft.

"Zu fanatisch?"

"Nun, meine liebe Llinn’te, sie erzählt von seltsamen Stimmen in der Natur, die von einer Zeit erzählen, da Elfen, Gnome und Menschen unvoreingenommen Seite an Seite stehen werden. Und sogar Zwerge. Kannst du dir das vorstellen?"

"Ich verstehe. Und unser Hohepriester ist anderer Meinung?", fragte die Elfe mit pikierenden Tonfall.

"Meine liebe Llinn’te, du als Priesterin solltest im Respekt gegenüber unserem Hohepriester die Meinung teilen dürfen, dass die Abgeschiedenheit der Elfen von den anderen so genannten Zivilisationen viele Probleme verhinderte, welche wir mit Zwergen und Menschen in unserer Geschichte bereits hatten. So wie du auch wissen solltest, wohin der Fanatismus gewisse dunkelhäutige Cousins von uns bereits trieb. Derartige Vorfälle sollten verhindert werden. Zu unserer aller Besten, meine Liebe."


Es schien lange Zeit zu vergehen, da die Elfe ihren Gegenüber anblickte. "Da Ihr, ehrwürdiger Hohepriester, dieses als sinnvoll entscheidet, werde ich natürlich diese Meinung teilen. Zumindest einem kann dadurch vorgebeugt werden."

"Die Verbreitung von unzüchtigen Bastarden aus Menschen und unserem reinen Blut?"

"Nein. Dass der ehrwürdige Sohn des Hohepriesters im Schatten meiner Tochter steht, weil seine Rituale nicht gelingen wollen und es daher nötig hat, sie in schlammige Pfützen zu befehlen, um vor den anderen besser als sie dazustehen. Ich frage mich, ob sein Erzieher ein solches Verhalten duldet, weil er seine Augen vor der Welt verschließt oder weil er Angst hat, dass jemand anderes als seine Familie seinen Stand beanspruchen könnte."

"Das Eis, auf dem Ihr Euch bewegt ist dünner als der Faden einer Spinne, Llinn’te."

"So kann ich noch weiterlaufen. Ich vertraue der Natur, würdet Ihr etwa Angst haben?"

"Ein Wort noch und ich verspreche Euch, dass euch beide die Wanderslust packen wird."


Ein paar verzweifelte Erklärungen später

"Aber Mutter, warum soll ich der Natur nicht mehr nahe stehen?"

"Kind, du sollst der Natur nahe stehen. Nur anders als jetzt. Und jetzt nimm endlich diesen Bogen."

"Ich liebe die Natur doch."

"Schau Kindchen.", seufzte Llinn’te, "Auch dieser Bogen ist Natur. Eine andere Art von Natur."


Cythi blickte den Bogen mit großen Augen an, ergriff ihn, hob ihn auf und hielt ihn mit durchdringendem Blick vor sich. Plötzlich lächelte sie.

Llinn’te wirkte beruhigt, dass sie das Mädchen so schnell von ihrer Leidenschaft zu etwas anderem hin faszinieren konnte. Dann versteifte sie sich plötzlich, als der Bogen mit lautem Knacken brach, sich verzweigte und grüne Sprossen hervorbrachte. Cythi grub ein Loch in den Boden und pflanzte den Bogen ein. "Schau Mutter! Da ist noch etwas Leben drin."

Llinn’te presste die Lippen zusammen, blickte zu Cythis ehemaligen neuen Bogen, tätschelte ihren Kopf abwesend. "Ich glaube, das wird ein gutes Stück Arbeit werden, mein Kind.", meinte sie mit einem leicht verzweifelten Unterton.

"Oh ja, ich habe hier in dem einen Lager viele solcher Stöcke gesehen. Werden die Augen machen, wenn ich fertig bin."


30 Jahre später

"Mutter?"

"Was hast du Cythi? Nimm den Stoff lieber so, dann stichst du dich weniger."

Cythi befolgte den Rat. Es lag ungewohnt in ihrer Hand, aber ihre Mutter schien recht zu haben. "Mutter, warum darf ich an den Ritualen nicht mehr teilnehmen?"

Llinn’te seufzte. Sie hatte lange mit dem Hohepriester diskutiert, aber es war sinnlos. "Tausende Ionen von Jahren ließen die Elfenrasse reifen. Ihre Gedanken, ihre Erfahrungen, sie sind tausende von Jahren von Generationen zu Generationen übertragen worden. Deine Gedanken sind andere."

"Ja aber, kann es denn nicht sein...?"

"Nein, Cythi, es kann nicht sein. Begreife es. Deine Fragen, die du hast, entsprechen nicht den Gedanken unserer Ahnen. Menschen, Zwerge, Gnome sind nicht wie Elfen. Ihnen hat die Natur andere Ambitionen gegeben. Genauso wie ein Löwe kein Reh ist. Begreife es!"

"Aber wir akzeptieren Löwen und Rehe, beider gleichermaßen. Menschen dagegen stellen wir darunter. Sie dürfen sich nicht in unsere Siedlungen bewegen. Sie sind genauso geschaffen worden wie wir."

"Cythi, du unbeugsamer Sturkopf! Hast du nichts aus der Geschichte gelernt? Auch Elfen haben Fehler begangen und dafür wurden sie ins Unterreich verstoßen."

"Ja, und sie haben sich ernsthaft verändert. Generationen um Generationen. Aber wären sie hier aufgewachsen, wären sie wie wir. Wenn sie also die alten Lehren hören würden von früh auf, könnten sie sich vielleicht wieder erneut verändern. Von Generation zu Generation. Wenn ein paar den Fehler machten, warum sollen dann alle verdammt sein? Wenn ein Mensch einen Fehler begeht, warum sollen wir alle strafen? Wenn sie unsere Lehren nicht kennen, werden sie sich nie richtig verhalten. Und sie werden sie nie lernen, wenn wir ihnen nicht die Tore öffnen, um sie zu lehren."

"Es reicht Cythi! Diese Diskussion habe ich oft genug von dir gehört. Ab sofort will ich nie wieder etwas darüber hören, hast du verstanden?"


Langsam senkte Cythi den Kopf, nickte. Dann begann sie zu schluchzen. Llinn’te erhob sich und ging. Sie empfand es für besser, dass ihre Tochter in dem Moment alleine war, um eigene Entscheidungen für ihr Leben zu treffen.


Die Wanderlust

Langsam, Schritt für Schritt, näherte sie sich den Grenzen der Siedlung. Lange hatte das Fest gedauert, da ihre 127 Jahre verkündet worden waren. Der letzte Schritt, noch vor wenigen Stunden verboten, schmerzte und ließ gleichzeitig eine innere Süße sich entfalten.

Süße Freiheit.

"Angharrad, stehe mir bei. Lass uns ihnen beweisen, dass ich recht habe."


Eine neue Heimat

Erschöpft vom Tage hockte sich Cythi hin. Ihre Füße schmerzten, als hätte ein Reh darauf getrampelt. Sie blickte zu den Stiefeln, die ihr mitgegeben worden waren und begriff nun langsam den Sinn dafür. Doch so dreckig wie ihre Füße waren, wollte sie nicht die Steine hineinschleppen.

Langsam schien der Boden zu beben. Ebenmäßig doch laut. Zitternd griff sie zum Bogen und zum Pfeil. Sollte sie heute etwas wahrhaftig verletzen müssen, um sich zu schützen? Ihre Hände zitterten, dass sie sämtliche Bäume um sich herum getroffen hätte. Das Beben schien sie als Ziel erkoren zu haben, kam immer näher. Eine Stimme, rauh wie eine aufgescheuchte Wildsau donnerte durch ihre Ohren - und erhielt eine Antwort.

'Zwei', murmelte sie. 'Es sind zwei'.

Dann tauchte es auf. Wild und haarig. Groß wie breit.