Ashrak

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Ashrak
Söldner-Kommandant
Ashrak med.png
Voller Name Ashrak Teriel
Rasse Halbelf
Geboren am 16. Mirsoval 727
Zodiak die Assassine
Profession Söldner
Gesinnung rechtschaffend-böse

Sämtliche Informationen auf dieser Seite beziehen sich auf den Rollenspielcharakter Ashrak, der sich in ein paar Punkten von seinem Pendant im Spiel unterscheidet! Die Chronik findet bis zum 32. Lebensjahr außerhalb der evergorschen Geschehnisse statt; erst ab diesem Zeitpunkt werden auch Ingame-Ereignisses einbezogen.

Aussehen

Ashrak ist etwa sechs Fuß groß, dem Äußerlichen zu urteilen nach knapp 35 Jahre alt und alles andere als ein angenehmer Anblick. Bereits als Kind war er ein eher schmächtiger Bursche, aber als Erwachsener wich alles Fleisch von ihm und ließ ihn mit einem knochigen, erschreckend dürren Körperbau zurück.

Haare muss man bei Ashrak mit der Lupe suchen - die lässt er sich nämlich bereits seit geraumer Zeit regelmäßig von verschiedenen Barbieren auf eine militärische Stoppellänge kürzen. Seine Gesichtszüge werden von seiner markanten Nase und den hoch liegenden, stark ausgeprägten Wangenknochen, aber vor allem durch die kohlschwarzen Augen dominiert, mit denen er einen förmlich festnageln kann.


Meistens trägt er ein weißes Rüschenhemd, einen dunkelgrauen, wattierten Wams mit Stehkragen und weißen Saum, eine ebenso dunkelgraue Hose und ein Paar schwerer, schwarzer Schaftstiefel mit Stahlbeschlägen, die allesamt erstaunlich gut sitzen und bei seinen Körpermaßen kaum von der Stange kommen können.

Hinzu kommen feine, schwarze Lederhandschuhe mit einer dreistrahliger Absteppung auf dem Handrücken und ein ebenfalls schwarzer Tasselmantel mit Stehkragen, dessen Ärmel er ab dem Handgelenk nach hinten umstülpt, so dass man die goldenen, löffelartigen Bestickungen des weißen Innenfutters sehen kann.


Verallgemeinert kann man sagen, dass alles an ihm wie nach einer Chimäre aus Raubvogel und dem Männchen wirkt, welches die Alchemisten auf die Etiketten der Giftflaschen malen.

Besitztümer

An seiner Rechten trägt er einen siegellosen, glattpolierten Ring, der aus einer widerstandsfähigen Mithrillegierung geschmiedet wurde. Unter den richtigen Lichtverhältnissen kann man die linienförmigen Erzeinschlüsse in zartem Karmesin, Ultramarin und Indigo schimmern sehen, hauchfein wie die Fäden eines Spinnennetzes.

Der Ring scheint wie alle Foki mit mächtigen, für seinen ersten Träger charakteristischen Zaubern verwoben zu sein. So heilen Wunden, die mit seiner Hilfe geschlagen werden, entweder nur sehr langsam oder oft auch garnicht. Außerdem wurde während des Schmiedeprozesses eine Gravur auf die Innen- und Außenseite eingearbeitet, die aus dem Gedicht Ecce Homo entnommen ist:

Licht wird alles was ich fasse
Kohle alles, was ich lasse


Seine offizielle Waffe ist ein aus aschgrauem Stahl geschmiedetes Rapier mit Korbbügel. Der Oberfläche der Klinge ist aufgrund des Schmiedeprozesses ein organisch wirkendes Wellenlinienmuster zueigen und geradezu pedantisch gepflegt.

Keine einzige Scharte oder einen Hauch von Korrosion kann man an ihr entdecken. Dafür vernachlässigt er das Heft geradezu sträflich: ursprünglich schwarz, ist das Leder, mit dem der Griff umwickelt wurde, inzwischen hellgrau und abgegriffen.


Wenn es jemanden gibt, den Ashrak in sein Herz geschlossen hat, ist es sein Rappen - ein Tier schwarz wie die Nacht, das er selbst lediglich Fremder nennt.

Hinter vorgehaltener Hand tuschelt man, dass dieses Pferd vom Teufel besessen sei, da es bisher jeden Reiter außer Ashrak abgeworfen, nach ihm ausgeschlagen oder sogar gebissen hat; und da Haustiere häufig nach ihrem Herren schlagen, redet man über Ashrak ganz ähnliches.

Natürlich nicht in seiner Gegenwart.

Chronik

Prolog

Im Volksmund geht die Sage um, dass Sceral und Syrthan seit dem Anfang der neuen Zeitrechnung eine Münze um jede Seele werfen, die in diese Welt hineingeboren wird. Diese Münze entscheidet, welches Pantheon sich dieser Seele annehmen und welchen Weg sie einschlagen wird.


Ashrak verbreitete mit seiner Ankunft in Thoringard das Gerücht, dass er diesem Schicksal entkommen sei. Als seine Seele vor die beiden Götter trat, habe diese mit solcher Intensität gestrahlt, dass Syrthan geblendet wurde, noch während die Münze fiel und ehe er sich für eine Seite entschieden hatte. So sei es gekommen, dass Sceral und Syrthan keine weitere Wette um seine Seele abgegeben hätten und er geboren wurde, ohne an das Schicksal gebunden zu sein.

Akt I - junge Jahre

Ashrak wurde als Halbelf geboren und ist damit das gemeinsame Kind zweier Welten, die er nie zu Gesicht bekam. Bereits als Vierjähriger wurde er, so erzählen es zahlreiche Geschichten in vielen mehr oder minder ausgeschmückten Versionen, von seinem Vater, einem Raubritter mit schwarzem Herz, weiterverkauft. »Das hier ist er, ein gescheites Bürschchen.« soll er gesprochen und mit »Komm, sag Hallo zu deinem neuen Papa!« den Handel abgeschlossen haben.

Über den größten Teil seiner Jugend ist nur hinreichend wenig bekannt. Als gesichert gilt aber, dass er bei dem Magistrat der fürstlich-wissenschaftlichen Loge der Metaphysik von Iuvar, einem Alchemisten namens Borellus, aufwuchs und dieser dafür sorgte, dass der Geburtsname des Jungen vollständig ausgelöscht wurde, damit dieser einen neuen Namen annehmen konnte. Die Wahl fiel auf Ashrak Teriel.


Eine der interessantesten Anekdoten, die man über Ashraks Jugend aus div. Tagebüchern bergen konnte, fällt auf einen Zeitpunkt kurz nach seinem 13. Namenstag. Auf einer alljährlichen Konferenz von Alchemikern, Astronomen und Hochmagiern, zu der auch Lehrlinge eingeladen wurden, witterte eine eingeschworene Gruppe um dem Magier und Halb-Druchii Keziah Mason bei Ashrak leichte Beute. Während Mason mit spitzen Kommentaren immer wieder auf seine unreine und schlammblütige Herkunft anspielte, bezeichnete ihn sein Anhang hingegen lediglich als gefräßig und maulfaul.

Den Höhepunkt bildete allerdings der Moment, als Mason Ashrak auf das Wissen aus weit höheren Studienjahrgängen abklopfte, was dieser mit Bravour bestand - und trotzdem als begriffsstutziger Knabe herabgesetzt wurde. Es soll schlagartig still geworden sein, als Ashrak Mason als einen schlechten Verlierer bezeichnete. Mit verärgerter Mine sprach Mason eine Silbe und eine unsichtbare Klaue legte sich mit der Kraft eines Schraubstocks um Ashraks Kehle und zwang ihn auf die Knie. Gleichzeitig begann ein ebenso unsichtbarer Knüppel ihn in die erlösende Ohnmacht zu prügeln, während Mason Ashrak als eine Null bezeichnete. Als einen Niemand ohne Praxis, der sich nicht den Großen mit wahrer Macht entgegenstellen solle.

Erst drei Stunden später soll Ashrak wieder erwacht sein - und dann in seinem verletzten Stolz eine Horde von Feuersalamandern auf Mason gehetzt haben - den dieser mit einem Handstreich beiseite fegte. Nur wenige Sekunden später legte sich um Ashrak abermals ein eiserner Griff, der ihm die Kleider runterriss und vor den Augen aller Besucher kopfüber blutig prügelte.

Akt II - Frontdienste

Daraufhin wurde es wieder vier Jahre still um Ashrak, nach deren Ablauf er an der der gleichen Akademie immatrikulierte wie damals sein Mentor und sich als erstes in den Studiengängen Macht des Denkens, Theorie der Zauber, Philosophie der Magie, Grundlagen der Meditation und den nicht-magischen Disziplin der Anatomie, Literatur und Toxikologie einschrieb. In den Vorlesungen zu diesen Fächern fiel ihm vor allem der Kommilitone Avelius auf, der es trotz zahlreicher Schikanen seitens seiner Mentoren schaffte, sich durchzusetzen.

Die beiden Lehrlinge verband ein ähnlich kaltes Kalkül, weswegen die Freundschaft zumindest oberflächlich weniger herzhaft als nutznießerisch ausfiel. Trotz allem zollten die beiden sich Respekt und ließen ihre gesellschaftlichen Beziehungen, soweit ihr Einfluss reichte, in einem Machtspiel für den jeweils anderen wirken. Unglücklicherweise konnte keiner der beiden von dieser Seilschaft länger profitieren, da sich mit dem Anbruch des fünften Semesters die politisch bereits gespannte Lage weiter zuspitzte und schließlich in einem Krieg mündete. Ein Krieg, der das Fürstentum aushungerte und es zu einer allgemeinen Wehrpflicht zwang - von der auch Avelius und Ashrak betroffen waren.


Wie der Zufall spielt, wurden Avelius und Ashrak in diesem Krieg, der unter dem Prekariat auch die drei Reiche-Krise genannt wurde, in der selben Einheit untergebracht, die in einer Sprungzone direkt an der feindlichen Linie stationiert war. Während Avelius an vorderster Front kämpfte, wurde Ashrak als Feldarzt im Lazarett gebraucht und musste die Verwundeten versorgen. Eines Tages wurde auch Avelius schwer verletzt und im Delirium bei ihm eingeliefert. Weder reichten seine medizinischen Kenntnisse aus, um ihn zu heilen, noch brachte er es fertig ihm den Gnadenstoß zu geben und so von seinem Leid zu erlösen. Stattdessen versetzte er ihn in ein künstliches Koma und hoffte, dass er bald eine Behandlung entwickeln konnte.

Soweit sollte es allerdings nie kommen. Bei einem Überfall auf einen Außenposten des Feindes konnten Geiseln genommen werden, die man trotz allem Aufwand nicht zum sprechen bewegen konnte. Auf die Empfehlung eines Oberstaboffiziers, Ashrak erfuhr nie seinen Namen, wurde er aufgrund seiner Kenntnisse der Anatomie verschiedenster Völker zum Folterknecht befördert.

Auch wenn Avelius so vorerst aus seiner Reichweite gerückt war, spornte ihn der Gedanke an, dass er mit den Gefangenen jene Geheimnisse des elfischen Körpers ergründen könnte, die ihn wieder gesunden lassen würden. Hierbei ließ sich Ashrak von der Geschichte eines Ingenieur und Malers inspirieren, der Leichen aus ihren Gräbern enthob, um anhand dieser ein exaktes anatomisches Modell des Menschen anzufertigen. In Analogie dazu erhoffte sich Ashrak, durch das Öffnen noch pulsierender Leiber das Geheimnis des Todes zu lüften. In jenen Tagen und Nächten erfand Ashrak neue, besser kontrollierbare Methoden des Tötens - und der Reanimation. Jeder seiner Probanden überschritt die Grenze in das Jenseits mehr als ein Dutzend mal, ehe er endgültig in die Dunkelheit gestoßen wurde. Die Geständnisse, die Ashrak bei diesem Prozess mit beängstigender Präzision aus seinen Versuchskaninchen herauspresste, waren eigentlich nur ein Abfallprodukt jener Anstrengungen.


Anderthalb Jahre ging es so weiter und Ashrak verfeinerte seine Kenntnisse immer weiter, bis dem mit einem großen Knall ein Ende gesetzt wurde. Iuvar kapitulierte vor der Übermacht des Feindes, bedingungslos. Wie üblich diktierte der Sieger nach erfolgreicher Konfrontation, was gerecht war und Ashrak wurde vor ein Kriegsgericht gestellt. Da er allerdings behauptete, gezwungen worden zu sein und man ihm nichts anderes nachweisen konnte und er zusätzlich auch nicht zu den Rädelsführern gehörte, sah man von einer exemplarischen Exekution ab. Stattdessen beschloss man ihn in einen Kerker zu werfen.

Dort vegetierte er zusammen mit einem Alchemisten namens Pickmann vor sich hin, der in diesem Krieg brennende, schwer löschbare Geschosse für die Katapulte entwickelt hatte. Nach anfänglichen, eher zögerlichen Kontaktversuchen, vertraute Pickmann ihm an, dass er für den Schattenorden arbeitete. Ashrak widerum schilderte in sämtlichen Details, wie er seine Geiseln förmlich misshandelt hatte, um aus ihnen mehr als nur strategische Informationen herauszuholen.

Trotz anfänglicher Skepsis Pickmanns Geschichten gegenüber, mit der er auch nicht hinter dem Berg hielt, wurde seine Erzählung fast punktgenau sechs Monate später bestätigt, als der Schattenorden seinen Adepten befreite und dieser seinen neuen Freund gleich mitnehmen ließ.

Man bot ihm eine Mitgliedschaft im Orden an, aber Ashrak lehnte ab. Trotzdem verblieb man in freundschaftlichen Beziehungen.

Akt III - Kooperation

Zwar besaß Ashrak nun wieder seine Freiheit, stand aber unmittelbar vor einem Problem, da es nicht mehr lange dauern würde, bis Steckbriefe von ihm aushängen würden. Angesichts dieser Gewissheit zog Ashrak die Konsequenzen und einen Schlussstrich unter sein bisheriges Leben: er floh.

Als Passagier der Handelsgaleere Safransturm setzte Ashrak auf den Kontinent Endurias über und ließ sich in der freien Hafen- und Handelsstadt Kromladen nieder.

Binnen kurzer Zeit arbeitete sich Ashrak zum Hafenmeister hoch - ein Amt, das ihm erlaubte, Ladungen zu beschlagnahmen und Zoll darauf zu erheben - und sponn parallel dazu sorgfältig ein Netz von Beziehungen zum Abschaum der Stadt, der sich naturgemäß hier aufhielt: Seemänner, Söldner und Räuber.

Auch immatrikulierte Ashrak wieder an der städtischen Akademie und schrieb sich in mehreren Studiengängen ein, noch dazu in die gleichen wie beim ersten mal.


Es vergingen drei Semester, ehe sich wieder etwas größeres in Ashraks Leben anbahnen sollte; wenn auch diesmal zu seinem Gunsten. Nach einer durchzechten Nacht verstarb, wie die Obduktion ergab, einer von Ashraks Kommilitonen - der vor allem für seine außerkörperlichen Reisen durch den Umbra bekannt war - an den Spätfolgen vom intensiven Genuss halluzinogener Drogen.

Für Ashrak kam dies weder überraschend, noch interessierte es ihn besonders. Weit wichtiger für seinen persönlichen Werdegang war stattdessen, dass er sein Quartier zugesprochen bekam. Nachdem er dieses wieder aufgeräumt und anschließend in penibler Art und Weise durchsucht hatte, fand er Unterlagen über das letzte arkane Experiment des Studenten. Dieses befasste sich vor allem mit der magischen Leitfähigkeit verschiedener Stoffe und sollte ergründen, was die raren magischen Waffen magisch machte. Was befähigten Eberesche, Rosenholz und Stahl dazu, Magie zu fokussieren? Und in welchem Umfang?

Klammheimlich beanspruchte Ashrak die Dokumente für sich, prüfte sie auf Authenzität und Plausibilität und erweiterte sie noch um eine Reihe teilweise exotisch anmutender Stoffe, die er sich dank seiner einflussreichen Position an den Docks ohne Probleme verschaffen konnte. Knochen, (Blei)Glas, verschiedene Edelsteine und Pergamentpapier.

Als er nach Abschluss seiner Recherchen an die Studienleitung herantrat, erntete sein Vorhaben großen Applaus. Man lobte in geradezu stürmischer Art und Weise die kühne Unorthodoxität. Man verlieh ihm das Magistrat in allgemeinarkaner Theorie und Praxis - und Ashrak strich ohne zu zögern den Ruhm ein.


Die Verleihung der Magistratswürde markierte auch den ungefähren Zeitraum, in dem sich der Bürgeradlige Lucius Mercatura an Ashrak wendete. Unzufrieden mit dem Spielraum seiner Macht, die ihm sein außerordentlicher Reichtum und seine niedere Geburt ermöglichten, erhoffte er sich, bei Ashrak den richtigen Kontakt gefunden zu haben.

Tatsächlich stieg Lucius' Reichtum kurze Zeit später auch beträchtlich. Schiffsladungen wurden wegen Einwänden Ashraks offiziell beschlagnahmt, oder schon auf dem Seeweg von Piraten entrissen; Lagerhäuser wurden von Banditen geplündert und in Brand gesteckt, bis die Kundschaft dessen überdrüssig war und zu anderen Anbietern, zu Lucius, wechselte. Es galt praktisch als ein offenes Geheimnis, dass die Stadtwache korrupt war und private Ermittler gegeneinander ausgespielt wurden. Kabinettsmitglieder, die sich um die soziale und finanzielle Gerechtigkeit Kromladens kümmerten, nahmen von Woche zu Woche mehr eine kalkweiße Hautfarbe an, wenn das Gespräch auf Lucius gelenkt wurde.

Schließlich besaß Lucius, nachdem die Konkurrenz binnen eines Jahres aus dem Weg geräumt war, das Monopol auf Luxusgüter wie Seide, Pfeffer, Salz, Elfenbein und Parfum. Außerdem schaltete sich Lucius in den Importhandel des Grundnahrungsmittel Getreide ein, so dass die Versorgung Kromladens von seinen Vorratsspeichern abhing. Zu seinem Mißfallen stellte der Kaufmann allerdings fest, dass er sich in die bessere Gesellschaft nicht einfach ohne weiteres einkaufen konnte, obwohl die Oberschicht praktisch abhängig von seinen Handelswaren war. Um im großen Stil in die Politik einsteigen zu können, benötigte Lucius die Liebe des Volkes. Ein Bedarf, der ihn wieder zu Ashrak führte.


Um seine Beliebtheit zu steigern, gründete Lucius zusammen mit Ashrak eine Bürgerwehr und überließ die Leitung dieser wiederum dem Halbelf. Schwerverbrecher wurden auf seinen Befehl gegen Kaution aus den Zellen geholt, Söldner von den Ländern jenseits der Jadesee engagiert und freie Ritter ohne Land und Adel gekauft. Zwar senkte die Bürgerwehr die in den letzten Monaten sprunghaft angestiegene Rate von Raubmord und Vandalismus, allerdings fraß dieses kostspielige Unterfangen am Vermögen Lucius'. Er begab sich Hals über Kopf bei Ashrak in die Schuldenfalle.

Mit dem Einstieg in den Menschenhandel, bei dem er die kümmerlichen Reste der Stadtwache für sich arbeiten ließ und den Stadtrat bestach, erhoffte Lucius sich, seinen immer weiter wachsenden Schuldenberg bei Ashrak abzahlen zu können. Wie beabsichtigt stabilisierte sich auch seine finanzielle Situation wieder und es begannen neue - für den Moment -, rosige Zeiten - zusammen mit der steigenden Idealisierung seiner Person unter der Bevölkerung.


Dieser Frieden währte allerdings nur kurze Zeit. Wenige Wochen später legte Ashrak bei Lucius, dem Hauptmann der inzwischen nur noch nominell vorhandenen Stadtwache und vielen weiteren Personen die er in den letzten Monaten instrumentalisiert hatte, die Karten auf den Tisch.

Mit nachdrücklicher Bestimmtheit erläuterte er jedem einzeln wer von welcher kriminellen Machenschaft in dieser Stadt profitiert hatte und verlangte die verschiedensten Zugeständnisse um seinen eigenen Machtspielraum zu erweitern. Den größten Preis musste Lucius zahlen, der von Ashrak dazu genötigt wurde, Pater Severin beim anstehenden Konklave mit seinen weitreichenden Beziehungen zu unterstützen und als neues geistliches Oberhaupt von Kromladen zu positionieren. Von anderen wiederum verlangte er lediglich Privilegien wie die bedingungslosen Fischereirechte einer bestimmten Bucht, das Protektorat über ein mittelgroßes Dorf am Fluss oder die Konzession einer Goldmine. Im Gegenzug räumte Ashrak weitere finanzielle Zuwendungen für jene ein, die ihm die Treue hielten und sich noch tiefer in sein Netz begeben.


In den folgenden Wochen versuchte sich Lucius immer mehr von Ashrak und seinen Machenschaften zu distanzieren und ihn auch wieder aus seinen Ämtern hinauszumanövrieren. Sämtliche Bestrebungen in der Hinsicht scheiterten allerdings. Auch konnte man ihn nicht mehr einfach wegsperren, wie er selbst am besten wusste, da er tatkräftig mitgeholfen hatte, das Militär von Kromladen vollständig zu privatisieren und in Ashraks Hände zu spielen.

Um dem Problem Ashrak Herr zu werden, beschlossen sämtliche Personen, die von ihm erpresst wurden, einen Kopfgeldjäger zu engagieren und in die Stadt kommen zu lassen.


Trotz allen Ränkespielen die der Halbelf dirigierte, gab es aber auch kriminelle Elemente in Kromladen, die von der Situation profitierten und den Status Quo aufrecht erhalten wollten.

Namentlich genannt waren dies die Geheimlogen des Schatten- und Drachenordens und die semimilitärischen Horras, die eine geheime Konferenz einberiefen und zu dieser ausschließlich ihre externen Champions einluden, um keine Spuren zu den Urhebern des Treffens zu ermöglichen.

Der Günstling der Horras war ein Raubritter von einfachem Verstand namens Zaber Daz'ra, während der Auserwählte des Drachenordens, Magnus, ein stämmiger Gladiator war. Der Schattenorden beauftragte wie aus einer Ironie des Schicksals heraus Ashrak - angeblich auf Anraten von Dr. Pickmann - um das Problem zu lösen, das er selbst überhaupt erst geschaffen hatte.

Zusammen besprachen die drei Männer, wie man den Kopfgeldjäger am besten zur Strecke bringen konnte. Während Zaber und Ashrak vor allem schmutzige Vorgehensweisen wie Bestechung, Hinterhalt und Gift vorschlugen, hatte der Gesandte des Drachenorden dagegen aufgrund seiner Vorstellungen von Ehre Vorbehalte und drohte damit die Operation platzen zu lassen. Schließlich brach man die Konferenz ergebnislos ab und verlegte sie auf den Abend in drei Tagen und den dritten Pier am Haupthafen Kromladens, dessen Viertel auch der Fliegengrund genannt wurde.


Noch vor dem zweiten Treffen suchte Ashrak Zaber privat auf und stellte ihm Anteil an seiner für ihn vorgesehenen Belohnung in Aussicht, wenn er für ihn arbeiten würde. Genauso wie er ihm in Zukunft weitere Aufträge beschaffen würde - solang er Gehorsam leiste. Außerdem zahle Ashrak für jeden Bestechungs- und Mordversuch an ihm eine Gulde drauf, denn er sei ein Mann, der gerne lebe.

Der 14. Fetra, an dem sich die drei Männer erneut trafen, war schließlich der letzte Tag, an dem Magnus gesehen wurde.

Zeugenberichten zufolge war er zuletzt in einer Armenküche am Hafenviertel Kromladens zugegen, die für die Obdachlosen immer einen nicht besonders schmackhaften Eintopf mit Fleischbeilagen aus teilweise zweifelhafter Herkunft servierte.

Akt IV - Die Hydra

kommt noch